Schule im digitalen Zeitalter

Schule im digitalen Zeitalter

Februar 23, 2026 0 Von Nicole
Letzte Woche war ich in der Schule meiner Töchter. Ein Gespräch mit der Lehrerin stand an und wie das manchmal so ist, ich musste noch ein paar Minuten warten. Also saß ich da und ließ meinen Blick durch das Schulhaus wandern.

Die Klassenräume sind dort komplett aus Glas. Alles ist offen, alles einsehbar. Für Kinder, die sich ohnehin schwer konzentrieren können, nicht gerade hilfreich. Aber wer fragt mich schon. Das Konzept der Schule sieht vor, dass sich die Kinder frei bewegen dürfen. Sie können im Klassenzimmer arbeiten, im Flur sitzen oder sich in vorgesehene Lernecken zurückziehen. Lernen soll flexibel sein, individuell, modern.

Und dann habe ich genauer hingeschaut.

Jedes einzelne Kind saß allein. Jedes. Und jedes starrte auf ein Tablet. Kein leises Tuscheln, kein gemeinsames Grübeln, kein vorsichtiges Nachfragen beim Nachbarn. Im gesamten Schulhaus ist nur Flüstern erlaubt, damit niemand gestört wird. Stille. Ordnung. Struktur.

Und trotzdem fühlte es sich für mich plötzlich unglaublich leer an.

Ich kann meine Gefühle in diesem Moment gar nicht perfekt beschreiben. Es war eine Mischung aus Traurigkeit und einem leisen Schock. Diese vielen Kinder, verteilt im Gebäude, jeder für sich, jeder vertieft in seinen Bildschirm. Keine Augen, die sich begegnen. Kein Lachen. Kein Quatsch.

Unwillkürlich musste ich an meine eigene Schulzeit denken. An all den Unsinn, den wir gemacht haben. An das heimliche Kichern, an kleine Zettel, an gemeinsames Scheitern und gemeinsames Verstehen. An echte Menschen neben mir.

Heute ist Schule anders. Das sehe ich auch bei meinen Mädels. Sie sind im Abschlussjahr und fast alles läuft über Tablets und Apps. Unterrichtsstoff wird von KI erklärt. Aufgaben werden selbstständig erarbeitet. Lehrer sind Lernbegleiter.

Und ja, ich sehe die Vorteile. Für manche Kinder kann dieses System funktionieren. Vielleicht sogar sehr gut.

Aber eben nicht für alle.

Nicht jedes Kind kann sich Wissen alleine erarbeiten. Nicht jedes Kind ist stark genug, strukturiert genug, selbstsicher genug. Manche brauchen Erklärung, Nähe, Austausch. Manche brauchen jemanden, der merkt, dass sie gerade überfordert sind, auch wenn sie still vor ihrem Tablet sitzen.

Während ich dort saß und in diese Gesichter blickte, hatte ich das Gefühl, genau das zu sehen. Überforderung. Anpassung. Funktionieren.

Und in diesem Moment war ich einfach nur dankbar, dass meine eigene Schulzeit noch anders war. Lauter. Chaotischer. Menschlicher.

Vielleicht bin ich altmodisch. Vielleicht gehört das alles zur Zukunft. Aber für mich bleibt die Frage offen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind, wenn Lernen immer leiser wird und Kinder immer mehr alleine damit bleiben.