Viele von euch werden mich nach dem Artikel wahrscheinlich hassen, einige werden mich vielleicht verstehen aber nur wenige werden wahrscheinlich den Mut haben zu sagen ich würde es in dieser Situation genauso machen. Aber fangen wir von vorne an, ich lerne meinen Exmann während meines Studiums kennen. Wir fanden uns beide toll und kamen sehr schnell zusammen. Er arbeitete in einem kleinen Café und schon als ich ihn das Erste mal sah wusste ich, er ist der Mann den ich will. Während meines Studiums hielt er uns irgendwie über Wasser, ich jobte auch nebenbei aber der Hauptverdiener war er. Nachdem ich mein Studium beendet hatte, änderte sich dies schlagartig. Ich war nun die Hauptverdienerin und dies gefiel ihm gar nicht. Trotz aller Streitigkeiten blieben wir zusammen, liebten uns und durch einen Fehler meinerseits, wurde ich ungeplant schwanger.
Für uns beide war klar das wir dieses Kind behalten. Da ich und auch er, keine uneheliche Geburt wollten, heirateten wir im kleinen Kreis noch vor der Geburt. Nach einer komplikationslosen Schwangerschaft erblickte unsere Tochter Valerie das Licht der Welt. Ich war so glücklich, liebte dieses kleine Wesen mehr als alles andere auf der Welt. Natürlich blieb ich bei der kleinen Maus zu Hause und mein Mann ging arbeiten. Er jobte noch zusätzlich, das wir unseren Lebensstandart einigermaßen halten konnten. Doch je mehr Zeit ich zu Hause verbrachte, desto mehr merkte ich wie mir meine Arbeit fehlte. Ich liebte meinen Job, hatte nicht umsonst solange studiert. Ich war nervlich über- und intellektuell unterfordert. Für meinen Mann kam es aber nicht in Frage das Valerie in die Kita geht. Bis zur Schule wollte er das sie daheim betreut wird. Mir wurde regelrecht schlecht bei dem Gedanken noch weitere 5 Jahre daheim zu bleiben. Aber ich fand mich damit ab und die Jahre vergingen. Nur ich wurde immer unglücklicher. Als Valerie 5 war verlor mein Mann seinen Job. Erstmal ein großer Schock für uns alle. Natürlich musste deshalb schnell eine neue Stelle her, doch mein Mann wurde nicht fündig. Als ich zufällig meine Ex-Kollegin wieder traf erzählte sie mir das „meine“ alte Stelle gerade zu besetzen wäre. Ich zögerte nicht lange und rief in der Firma an, natürlich waren alle froh und begeistert das ich wieder anfangen wollte. Ich war so happy. Endlich konnte ich wieder arbeiten gehen, nur als ich zu Hause diese froher Botschaft mitteilte war mein Mann nicht begeistert. Nicht weil er nicht auf Valerie aufpassen wollte, denn die zwei waren ein Dreamteam. Mehr als ich es wohl je für Valerie sein konnte. Sondern weil er nicht wollte das ich der Hauptverdiener war.

Nach endlosen langen Diskussionen, beschlossen wir das ich meine Stelle annehme, aber nur bis er wieder einen Job gefunden hat. Natürlich hoffte ich das dies noch lange dauern würde. Ich nahm also meine alte Stelle an und war glücklich.
Nur was dann passierte hätte ich nie für möglich gehalten. Denn trotz all der Streitereien und Diskussionen, ich liebte meinen Mann, aber ich wusste auch das er mich nie zu 100% glücklich machen konnte, da er es nicht akzeptieren konnte das ich eben lieber arbeitete als zu Hause zu sein. Nach dem stressigen Tag im Büro ging ich immer öfter Abends mit Kollegen noch etwas trinken, verkaufte meinen Mann diese Stunden als Überstunden. Denn nur hier auf Arbeit außerhalb meiner Wohnung fühlte ich mich frei. Aber dann kam mein neuer Partner in mein Leben und veränderte alles. Er war ein neuer Kollege, gut aussehend, höfflich und machte mir Komplimente, wie toll er es fand das ich Karriere mache und nicht zu einem Hausmütterchen mutiert bin. Es schmeichelte mir, denn genau das war das was ich nie sein wollte. Ein Hausmütterchen. Wir verliebten uns relativ schnell, mein Mann daheim wurde mir immer fremder, genauso wie meine Tochter. Teilweise sah ich beide nur noch am Wochenende. Nach 3 Monaten Affaire, trennte ich mich von meinem Mann und verließ ihn. Aber ich verließ auch Valerie da die zwei ein Herz und eine Seele waren. In den letzten Monaten waren sie noch mehr zusammen gewachsen sodass ich dies für die beste Entscheidung hielt. Ich hätte auch ehrlich gesagt gar nicht gewusst wie ich meinen Alltag mit Valerie hätte bewältigen sollen. Diese Trennung ist nun 2 Jahre her. Ich sehe meine Tochter einmal im Monat am Wochenende. Ihr geht es sehr gut bei ihrem Vater. Sie hat sehr gute Noten in der Schule und auch er hat eine neue Partnerin welche sich rührend um Valerie kümmert. Ich bin wirklich froh darum, denn irgendwie konnte ich ihr nie die Muttergefühle und Liebe entgegen bringen, die vielleicht normal gewesen wären. Ich weiß das viele dies nicht verstehen werden. Aber warum ist es immer gleich verwerflich wenn eine Mama die Familie verlässt, nur weil wir schwanger waren? Mein Mann sagte immer mir fehle das Muttergen, vielleicht ist dem wirklich so. Ich weiß es nicht aber ich würde keine Frau dafür verurteilen, wenn sie ihre Familie verlässt. Denn rückblickend war es für alle die genau richtige Entscheidung.

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