Gastbeitrag:

Hallo mein Name ist Nadja ich bin 20 Jahre alt und habe mein Baby abgetrieben, klingt erstmal ziemlich hart oder?
Ist es auch, aber bevor ihr mich verurteilt lest meine Geschichte:

Ich und mein Freund, wir waren beide zu dem Zeitpunkt 17 Jahre alt, führten seid ca einem 3/4 Jahr eine glückliche Beziehung.
Alles war gut und wir machten uns um nichts Sorgen.
Ich hatte meine Tage noch nie pünktlich oder gar regelmäßig, weshalb es mich auch nicht wunderte, dass sie einige Tage überfällig waren. Ich klagte nun auch seit ca. 3 Tagen über Bauchschmerzen, als meine Mutter mir riet, ich solle doch mal zum Arzt gehen, sie vermutete eine Blinddarmentzündung.

Also machte ich sofort einen Termin und konnte schon gegen Mittag vorbeikommen. Meine Ärztin war absolut ratlos, da die Symptome zu keiner ihr bekannten Krankheit passten, machte sie einen Ultraschall und was sie mir dann sagte, riss mir den Boden unter den Füßen weg ! „Herzlichen Glückwunsch! Sie sind schwanger!„ Grinsend hielt sie mir das Ultraschallbild hin.
Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen und brach in
Tränen aus, Sie wollte mir Mut machen, sprach mir gut zu und fragte mich über meinen Beziehungsstatus aus. Meine Antwort kennt ihr ja ich war damals glücklich verliebt, sie
sagte wir werden das schon schaffen, stellte mir die Überweisung zum Gynäkologen aus und wünschte mir viel Glück.
Ich ging also nach Hause, auf dem Weg dort hin machte ich sofort einen Termin beim Gynäkologen der auch glücklicherweise sofort nächsten Tag Zeit für mich hatte.
Zu Hause angekommen fragte mich meine Mutter was denn die
Ärztin gesagt hätte, ich traute mich nicht ihr die Wahrheit zu sagen also log ich. Ich sagte ihr ich hätte eine Magenschleimhaut Entzündung und solle mich ein paar Tage ausruhen.
Der Tag verging überhaupt nicht, er fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Ich konnte nicht schlafen und so ging auch die Nacht fast schlaflos an mir vor rüber.
Da der Frauenarzt Termin erst Nachmittags war schleppte ich mich in die Schule, ich wollte mich ablenken, was aber nicht wirklich klappte. Ich konnte dem Unterricht kaum folgen und wäre immer wieder fast eingeschlafen.
Und dann war er da, der Termin beim Gynäkologen.
Dort angekommen reichte ich der Empfangsdame meine Überweisung… sie lächelte mich an und gratulierte mir.
Die Zeit im Wartezimmer war unerträglich! Als ich dann Minuten später im Behandlungsraum auf den Stuhl musste, hatte ich echt Schiss. Angst davor es jetzt wirklich gleich nochmal bestätigt zu bekommen. Meine Frauenärztin gratulierte mir, ich war schon in der 11 Schwangerschaftswoche.
Nun wollte Sie mit mir alles besprechen, wie es weiter geht, wann ich wieder zum Ultraschall kommen kann und schließlich drückte Sie mir auch noch meinen Mutterpass in die Hand. Diese ganzen Informationen gingen wie in einem Film an mir vor rüber richtig zugehört hatte ich ihr nicht. Ich war schwanger, oh man.
Als das Gespräch zu Ende war bekam ich einen neuen Termin
und verließ die Praxis, der restliche Tag blieb mir nur schleierhaft in Erinnerung.
Abends im Bett überlegte ich wie ich es wohl meinem Freund sagen sollte, wird er sauer sein, enttäuscht? Freut er sich? Die nächste schlaflose Nacht lag vor mir…
Am nächsten Tag war es soweit, es war Samstag und mein Freund kam wie immer zum Frühstück, danach gingen wir ein wenig
spazieren. Den ganzen Vormittag grübelte ich schon wie ich es ihm sagen sollte.

„Schatz ich muss dir was sagen “ der berühmte Satz, er blieb stehen und schaute mich mit seinen blauen Augen an. Ich erzählte also weiter, du weißt das es mir die letzten Tage nicht gut ging und das hat einen Grund, ich bin schwanger…
Der Satz war raus und die Farbe wich aus seinem Gesicht. Er blieb stehen und schaute mich an. Er sagte nichts, gar nichts. Schaute mich einfach nur an. Für mich eine gefühlte Ewigkeit.
Plötzlich schloss er mich in seine Arme, küsste meine Stirn und flüsterte mir ins Ohr: „Egal was passiert,ich stehe zu dir und lasse dich nicht allein!“ Das war für mich
Antwort genug.

Ich war froh das er zu mir stand, das er nicht sauer war und das er bei mir blieb. Ich hatte mir wirklich die schlimmsten Sachen ausgemalt. Abends fuhr er dann wieder nach Hause… Wir hatten abgemacht, es am nächsten Tag unseren Eltern zu sagen. Erst seinen, die sehr streng und konservativ waren und dann meiner Mutter, die sehr einfühlsam und verständnisvoll war. Wir hatten bewusst den schweren Weg zuerst gewählt.
Der Weg zu seinen Eltern kam mir vor wie der Weg zur Schlachtbank, ich wusste das es Ärger geben würde und das sie definitiv nicht begeistert sein werden.
Seine Eltern begrüßten uns herzlich und wir setzten uns an den
gedeckten Kuchentisch. Wir konnten nicht länger warten und fielen mit der Tür ins Haus. Ich bin schwanger. Ich schrie es fast herraus einfach weil ich mich von dieser Last befreien wollte. Seine Eltern schauten uns ungläubig an, konnten es nicht verstehen. Kaum war der erste Schock vorbei prasselten die Vorwürfe auf uns ein. Sein Vater schrie und schrie sodass ich lieber das Weite suchte. Mein Freund brachte mich noch zur Tür. Wir verabredeten das wir Abends telefonieren nachdem ich es meiner Mutter gesagt hatte. Mein Freund hatte noch nicht mal richtig die Tür verschlossen schon wetterte sein Vater los: Ihr müsst abtreiben, weißt du wie teuer so ein Kind ist. Ihr seid viel zu jung, was habt
ihr Euch dabei gedacht. Ein uneheliches Kind das ist eine Schande und wenn dieses Kind zur Welt kommen sollte bist du nicht mehr mein Sohn.

Das reichte mir, ich ging heulend die Treppen nach unten, wie ich nach Hause gekommen bin weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr
genau. Ich legte mich in mein Bett und wartete das meine Mutter von der Arbeit kam. Als Sie mich entdeckte war sie sehr erschrocken und wollte sofort wissen was los war.
Als ich ihr erzählte das ich schwanger sei und wie die Eltern von meinem Freund reagiert haben, war ich froh das wenigstens Sie erstmal Verständnis zeigte, sie nahm mich in den Arm und ich
konnte mich erstmal ausweinen. Danach machte aber auch Sie mir klar das eine Abtreibung das einzig richtige sei. Ich wäre zu jung, sie geht Vollzeit arbeiten und wer sollte sich darum kümmern. Ich war noch in der Schule wollte in 1,5 Jahren mein Abi machen. Fast die ganze Nacht telefonierte ich mit meinem Freund, wir spendeten uns gegenseitig Mut, Kraft aber weinten auch zusammen. Je länger wir über die Argumente unserer Eltern nachdachten umso weniger fanden wir welche für das Kind.
Am nächsten Tag informierte mich meine Mutter das Sie einen Termin bei Profamilia gemacht hätte und wir am Nachmittag
kommen könnten. Ich war mir immer noch nicht sicher was denn nun der richtige Weg ist, Baby ja oder nein, diese Gedanken ließen mich nicht mehr los. Bei dem Gespräch kamen dann die harten Fakten auf den Tisch und meine Überzeugung es alleine zu schaffen verblasste immer mehr, in ein Mutter-Kind Heim wollte ich nicht, ich liebte meine Mutter und wollte bei ihr wohnen bleiben. Nach dem Termin ging es zum Frauenarzt, ich holte mir bei meiner verwunderten Ärztin den Zettel für die Abtreibung, danach ging es zur Krankenkasse. Die Blicke dort durchbohrten mich, ich kam wegen einer Abtreibung und wollte nun auch noch
Geld dafür…

Das OK der Krankenkasse hatte ich somit dann auch in der Tasche und so konnten wir einen Termin in der Klinik machen.
Schon 2 Tage später fuhren ich, mein Freund und meine Mutter dort hin. Es wurde ein letzter Ultraschall gemacht ich war mittlerweile in der 13 Woche, die letzte Möglichkeit…
Als meine Mutter das erfuhr drängte Sie auf einen schnellstmöglichen Termin. Dieser folgte dann schon am nächsten Tag. Ich war noch nicht bereit, war mir immer noch unsicher und heillos überfordert mit mir und der Situation.
Am nächsten Tag wollte und konnte ich einfach nicht aufstehen
ich war müde und kraftlos, aber irgendwann raffte ich mich dann doch auf. Meinte Mutter wartete schon und drängte mich zur Eile. Als wir im Krankenhaus ankamen stand schon ein Bett bereit, darauf lagen mein OP Hemd und alles weitere was ich noch ausfüllen und anziehen sollte. Kurz darauf war es soweit, sie schoben mich aus dem Zimmer in den OP. Ich sollte mich auf einen Tisch legen und meine Beine wurden auf Stützen befestigt. Ich hatte das Gefühl alle waren sehr unfreundlich und einige der Schwestern würdigten mich keines Blickes. Der Narkosearzt saß an meinem Kopf und hielt mir eine Maske aufs Gesicht.
Ich sollte bis 10 zählen, ich glaub ich kam bis 4…
Als ich aufwachte war alles vorbei, mir war kalt und ich hatte Schmerzen. Also ich der Schwester dies sagte ignorierte sie mich, ich hatte das Gefühl ich hatte das verdient schließlich habe ich mein Baby getötet. Als ich auf Station verlegt wurde wartete schon mein Freund und meine Mutter auf mich. Er streichelte meinen Kopf und das Einzigste was ich hervor brachte war, es war falsch…

Er nickte und wir beide weinten.
Ich durfte kurze Zeit später nach Hause.
Dies ist jetzt 3 Jahre her, mein Freund und ich sind immer noch zusammen, wir reden nicht mehr oft darüber aber trotzdem
glaube ich bis heute das die Entscheidung falsch war.
Oft schaue ich in den Himmel und weiß ganz genau das der hellste Stern dort oben unser kleiner Stern ist.
Ich hoffe ich kann mir diese Entscheidung irgendwann verzeihen…

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