Du nanntest es LIEBE und ich glaubte dir, glaubte dir alle deine schmutzigen Wörter. Dachte das es normal sei wenn du mich berührst. ICH WAR 7 und vertraute dir.

Ich  traute mich nicht zu sagen was du mit mir getan hast, deine Einschüchterung klappte zu gut. Wenn ich damals nur so stark wie heute gewesen wäre, mich nur getraut hätte etwas zu sagen. Mir wäre vieles erspart geblieben.

Aber fangen wir von vorne an.

Ich war ca 6 einhalb Jahre alt als du in mein Leben gekommen bist. Als neuer Mann meiner Oma. Bis zu dieser Zeit hatte ich eine wirklich tolle Kindheit.  Ich hatte tolle Großeltern, tolle Eltern und ein behütetes zu Hause.

Ich  war kurz vor meiner Einschulung und freute mich riesig darauf.

Du warst von Anfang an sehr nett zu mir, machtest mir Geschenke und ich freute mich darüber. Oma sah sehr glücklich mit dir aus und das freute auch mich. Ich dachte wenn Oma dich nett findet dann bist du  bestimmt ein toller Mann.

Im ersten Jahr blieb es bei Berührungen, ein längerer Drücker, ein Bussi auf die Backe, schließlich hattest du mir ja etwas geschenkt. Da musste man ja Danke sagen. Nur dann war es für dich an der Zeit einen Schritt weiter zu  gehen, deine Berührungen wurden enger, deine Küsse gingen immer weiter Richtung Mund.

Nur niemand sah das. Immer wenn Oma den Abwasch machte oder gerade kurz einkaufen ging da war ich dein Opfer. Du kanntest bald kein Halten mehr und Zungenküsse sowie intime Berührungen waren normal geworden.

Ich war knapp 8 Jahre alt. Ich wusste es nicht besser. Dachte das wird schon richtig sein, sowie du es mir immer gesagt hast. Ich war schon immer ein schüchternes Kind, woran das lag weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich war manchmal lieber für mich alleine, hatte aber auch genügend Freundinnen mit denen ich spielte.

Ich weiß bis heute nicht warum ich es nicht einfach meiner Oma oder meinen Eltern sagte,

warum ich es Ihnen nicht erzählt habe. Ich denke ich hatte einfach Angst das mir niemand glaubt. Und so ertrug ich diese Berührungen und Küsse, ganze 8 Jahre lang…..

Immer wenn ich nach der Schule zu Oma kam warst du da, hast auf mich gewartet und ich lief jedesmal in mein Unglück. Ich begann zu essen, viel zu essen. Wollte immer dicker werden damit du mich nicht mehr schön findest.

Leider funktionierte dieser Plan nicht.

Ich hatte das Gefühl nichts tun zu können.

War gefangen in meiner friedlichen Welt

zu Hause und der Deinen.

Ich weiß bis heute wie sich deine Küsse anfühlten, wie ich jedesmal meine Zähne so fest zusammen drückte das du mit deiner widerlichen  Zunge nicht in meinen Mund kommst….. Geschafft hast du es immer.  Ich  war so machtlos. Dieses Gefühl begleitet mich bis heute.

Ich weiß noch wie heute, wie oft ich mich versteckte als Oma zum einkaufen ging. Ich dachte du würdest mich nicht finden,  ich musste mich nur gut genug verstecken.

Leider fandest du mich immer.

Je älter ich wurde desto größer  wurde dein Verlangen. Irgendwann reichten keine Küssen oder bloße Berührungen mehr. Ich musste auch dich berühren und dir Befriedigung verschaffen. Jedesmal danach ging ich mich erbrechen.

Als ich 17 war starb mein Peiniger und für mich war es die Erlösung. Ich konnte wieder atmen, wieder lachen und vor allem mich irgendwie wieder selber finden.

Ich konnte nie wieder einem Mann vertrauen, bis ich

MEINEN Mann kennen lernte.

Ich war ca 20 Jahre alt und er war der erste Mann bei dem ich das Gefühl hatte das alles ok ist, die  Berührungen, die Küsse. Alles fühlte sich auf einmal nicht mehr eklig oder komisch an. Meine Beziehungen davor scheiterten genau an diesem Gefühl.

Ich konnte niemanden an mich ranlassen. Sofort waren die alten Bilder wieder da. Dieser Geschmack, der Geruch, einfach alles.

Alle Beziehungen scheiterten und ich war kurz davor das Thema Liebe für mich abzuhaken.

Das  klingt mit 20 bestimmt komisch aber ich hatte die Hoffnung aufgegeben jemals etwas anderes als Ekel beim küssen zu empfinden.

Aber DU warst anders, du wusstest nichts von meiner Geschichte und trotzdem warst du für mich da. Meine Seele konnte heilen und du gabst mir die Zeit die ich brauchte.

Dafür bin ich dir bis heute unheimlich dankbar.

Auch heute mit 31 Jahren ist es nicht weniger schlimm, meine Seele ist nur vernarbt aber unter gewissen Umständen kommt alles wieder hoch.  Dagegen kann ich nichts tun, ich kann es nur aushalten.

Niemand wusste davon, bis heute nicht. Ich klärte das mit mir selber. Wollte niemanden damit belasten. Ich denke dieses Denken habe ich einfach übernommen.

Der Einzige der Bescheid wusste war mein Frauenarzt. Ihm teilte ich mich mit, denn ich brauchte Hilfe. Ich wusste irgendwas war „dort unten“ nicht in Ordnung.

Er sah genau was passiert war und das das nicht nur von einmal kam. Ich unterzog mich 2 Op´s und er richtete alles wieder halbwegs. Noch heute habe ich Schmerzen beim Sex und auch eine natürliche Geburt wurde mir deshalb verwehrt.  Ich kann also sagen das ich ein Leben lang an alles erinnert werde.

Aber mittlerweile ist es OK.

Ich habe dies alles angenommen und kann wieder in den Spiegel schauen. Dies war nicht immer so. Am Anfang gab ich mir selber die Schuld…

Mittlerweile bin ich selber Mutter und ich hoffe so sehr das ich meine  Kinder vor so etwas bewahren kann, ich beobachte meine Umwelt denke ich anders, als Mütter denen sowas nicht passiert ist. Mir tat es unheimlich gut mir mal alles von der Seele zu schreiben und vor allem möchte ich das meine Geschichte nicht umsonst war. Ich möchte aufklären, aufrütteln und ich möchte das dieses Thema kein Tabu Thema mehr ist.

An alle Betroffenen ist seid nicht alleine, wir sind mehr als man denkt.

Falls ihr jemanden kennt der  Hilfe braucht oder selber Hilfe benötigt hier sind einige Anlaufstellen:

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch:

Telefonnummer:

0800-22 55 530

(kostenfrei & anonym)

https://www.hilfeportal-missbrauch.de/startseite.html

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.