Gastartikel von Nadine K. vom Blog dresdenmutti.com

Vollzeit-Arbeit und Mama – Meine Erfahrungen

Während ich diesen Artikel hier schreibe, sausen gerade fünf Kinder nebenan durchs Spielzimmer. Zwei davon sind meine eigenen Töchter, 5 Jahre und 4 Jahre alt. Ich selbst bin 31 Jahre alt, verheiratet und wohne in Dresden. Und ich arbeite Vollzeit. Wie meine Tage aussehen, wie es mir mit der Arbeit geht und warum ich meine Stunden nicht reduziere oder zu Hause bleibe, erzähle ich euch gern.

So purzelten die Kinder in mein Leben

Ich war beim ersten Kind 25 Jahre alt, bei der Kleinen 26. Damals habe ich noch studiert und ging verschiedenen Nebenjobs nach – genauso wie meine Kommilitonen, auch wenn die noch keine Kinder hatten. Ich war jung und fühlte mich den anderen Studenten genauso zugehörig wie zuvor.


Es stand nie zur Debatte, mein Studium an den Nagel zu hängen oder gar auf meine Jobs zu verzichten, die ja auch zu meinem Leben gehörten. So kam es, dass meine wundervollen Kinder in mein Leben purzelten, viel Raum und Liebe und Zeit einnahmen – und sehr viel Schlaf kosteten! – und ich dennoch erstmal „weiter machte“.

Zwischen Kindern, Arbeit und dem restlichen Leben

Es ließ sich am Ende sogar alles recht gut kombinieren, da mein Mann in Elternzeit ging und ich mein Studium normal abschließen konnte und genug Zeit für die Nebenjobs erhielt. Gleichzeitig konnte ich Pekip-Kurse und Babymassagen in meinen Tagesablauf einbauen, Mensa-Essen mit Baby und Kinderwagen-Spaziergänge. Meine Freunde waren alle sehr offen und wir trafen uns auch auf Spielplätzen – ich mit Kinder und sie ohne.
Erst das Jahr 2015 warf mich ziemlich aus der Bahn, denn plötzlich war meine Masterarbeit an der Reihe und ich hatte nur noch 3 Monate Zeit, bevor ich richtig arbeiten würde. Meine kleine Tochter war zu dem Zeitpunkt erst 3 Monate alt. Die große Tochter war mit 1 ¾ Jahren auch noch klein und brauchte viel Zuwendung.
Die Nebenjobs schlauchten, ich war ständig müde und jonglierte unter großer Anstrengung meine verschiedenen Aufgaben. Stillen zieht ja auch Energie, aber am meisten die Müdigkeite… Als ich diese drei Monate überstanden hatte, kam mir meine erste richtige Arbeitsstelle sogar ziemlich einfach vor.

Wie sieht mein Tagesablauf aus?

Glücklicher Weise ist mein Tagesablauf inzwischen ziemlich entspannt und ich bin keine der Mütter geworden, die sich den ganzen Tag gehetzt fühlen. Das liegt vor allem an der großartigen Kinderbetreuung in Dresden, die mir keinen Stress macht. Der Kindergarten ist theoretisch sogar bis 17:30 Uhr geöffnet (von morgens 6:30 Uhr!), sodass man sich nicht stressen muss, wenn mal etwas dazwischen kommen sollte.

Morgenstund hat Gold im Mund

Einziges Manko: Mein Wecker reist mich schon um 5:45 Uhr aus dem Schlaf, aber das kennen bestimmt auch viele andere Eltern, bei denen es vielleicht nicht der Wecker ist, sondern die eigenen Kinder.
Der Tag startet dann so richtig um 6:30 Uhr im Büro mit einem Kaffee und vielen To-Dos, aber doch vergleichsweise ruhig. Wir haben uns so aufgeteilt, dass mein Mann die Kinder morgens in den Kindergarten bringt und ich sie nachmittags abhole. Summa summarum muss ich also nur bis 15 Uhr arbeiten, bis ich Feierabend habe. Meistens hänge ich noch 30 Minuten dran, denn ein kleines Kontingent an Überstunden ist als Mutter nie verkehrt.

Spaziergang im Wald. Die Große hatte 3 Tage zuvor Laufen gelernt

Endlich Feierabend und Familienzeit genießen

Zugegeben, nach der Arbeit bin ich erstmal durch, aber während ich mit dem Fahrrad zum Kindergarten radel, wird der Kopf wieder etwas freier. Die Kinder sind nachmittags gut drauf, wenn wir nach Hause laufen. Kurz nach 16 Uhr sind wir schon zu Hause. Dann unternehmen wir noch etwas oder ich gehe meinen Hobbys nach wie heute, denn die Kinder sind inzwischen doch schon groß und möchten Freunde besuchen oder alleine spielen.
Um 17 Uhr kommt mein Mann nach Hause und wir kochen noch, gehen einkaufen oder machen die Wäsche. Was man eben so tut als Eltern. Nach dem Essen, Zähneputzen und Umziehen ist das Vorlesen dran, dass bei uns ein Highlight des Tages ist, weil wir alle gerne lesen. Das Prozedere zieht sich etwa bis 20:30 Uhr und gegen 21 Uhr schlafen meine Töchter dann meistens ein.
Zu den Abendstunden muss ich nicht mehr als ein Wort sagen, denn so sieht es in 90% der Fälle aus, zumindest unter der Woche: Netflix.

Mein Mann arbeitet Teilzeit

Das Leben hat etwas anders gespielt, als wir es uns vorgestellt haben und so ist mein Mann nur von 10:30 bis 17 Uhr aus dem Haus und einen Tag in der Woche kann er frei nehmen. Halbtagsarbeit nennt sich das.
Ich denke schon, dass es für uns einfacher ist als für andere Familien, weil er nur 20 Stunden arbeitet. Vor allem kann er hin und wieder seine freien Tage verschieben und so die Arzttermine entspannt wahrnehmen oder zu Kindergeburtstagen mitgehen. Über den Haushalt streiten wir leider trotzdem. Ganz klassisch: ich bin sauer, weil die Wohnung ein einziges Chaos ist und ich aufräumen muss, obwohl er an dem Tag frei hatte, und er sagt, ich mecker nur rum und er hat doch den Keller in der Zeit aufgeräumt. Da kommen wir wahrscheinlich nie auf einen grünen Zweig…
Alles in allem hoffe ich, dass er eine andere, bessere Arbeit finden kann mit mehr Stunden. Falls ihr wissen wollt, wie es meinem Mann in dieser Konstellation geht, könnt ihr auf meinem Blog ein Interview mit ihm lesen: Was macht Väter glücklich?

Gebe ich meine Kinder gerne in den Kindergarten?

Tatsächlich gebe ich meine Kinder sehr gerne in den Kindergarten und verstehe nicht, wenn Leute von „abgeben“ oder gar „abschieben“ sprechen oder wenn sie Kindergarten mit Arbeit vergleichen. „Die armen Kinder. 7 Stunden im Kindergarten. Das ist so anstrengend wie 7 Stunden Arbeit.“ – Ja, 7 Stunden spielen, basteln, toben und auch ausruhen, schlafen, essen, singen sind zum Teil anstrengend, aber es ist doch eine schöne Anstrengung.
So wie viele andere Eltern setze ich bei meinen eigenen Erinnerungen an. Meine Kindergartenzeit war unvergesslich schön. Mit einigen meiner Freunde von damals habe ich noch heute Kontakt, obwohl es uns weit weg verschlagen hatte – nach Bonn, Hamburg oder Zürich, aber diese Sandkastenfreundschaften aus der Kindergartenzeit überstehen einfach alles und ich erinnere mich gerne an früher zurück.
Ich mag Kindergärten
Morgen kommt in unseren Kindergarten ein Puppenspieler und führt „Das singende, klingende Bäumchen auf“, an anderen Tagen können die Kinder einfach komplett frei spielen. Manchmal wird gebacken, manchmal ist Projektwoche – es gibt wenig Grund, meine Kinder nicht gerne in den Kindergarten zu geben. Auch beteilige ich mich im Elternbeirat, um die Zeit im Kindergarten etwas mitzugestalten und Ideen einzubringen.

War das Hausfrau-Modell auch eine Option für mich?

Ob ich gerne zu Hause bei den Kindern geblieben wäre, weiß ich nicht genau. Es stand nie zur Debatte, da mein Mann direkt entschied, dass er zu Hause bleiben wollte. Ich dachte ursprünglich, wir würden einfach beide weiter studieren, wenn wir Kinder haben, und uns mit der Betreuung aufteilen, aber so kam es, dass er Hausmann wurde.
Im Nachhinein bin ich froh drum, dass es so war. Ich hatte als Studentin recht viel Zeit für meine Kinder und musste dennoch nicht ganztags alleine für sie da sein. Ich litt sehr unter dem Schlafmangel, denn sie gingen erst 23 Uhr ins Bett, standen aber normal um 7 Uhr auf und zwischendurch wurde gestillt. Ich genoss die „Pause“ mit anderen Projekten und sogar der Arbeit.
Und ich ziehe meinen Hut vor allen Eltern, die ihre Babys selbst betreuen! Wahnsinn, was ihr da leistet!

Warum ich nicht Teilzeit arbeite

Warum ich nicht Teilzeit arbeite, liegt zum Beispiel daran, dass ich der Hauptverdiener in unserer Familie bin. Wir sind sehr sparsam – wir haben kein Auto, wir trinken Leitungswasser ect. – und doch wäre es mit unserem Lebensstil nicht möglich, dass ich weniger arbeite und verdiene. Dafür ist unsere Wohnung zu teuer und der Kindergarten auch. Wir müssten umziehen und das möchten wir nicht, denn wir sind gerade erst von einer 2-Raum- in eine 3-Raum-Wohnung gezogen und genießen den Platz.

Mit meiner kleinen Tochter zu Weiberfastnacht auf Arbeit

Zum anderen habe ich inzwischen eine Arbeit gefunden, die mir liegt und mit der ich mich gut 8 Stunden lang beschäftigen kann. Auch mein Team ist toll. Wir haben Spaß auf Arbeit und am Nachmittag habe ich Spaß mit den Kindern. Natürlich sind die Wochenenden die Highlights der Woche, wenn man mehr Zeit miteinander verbringen kann, als nur ein paar Stunden am Nachmittag.

So findet jeder seinen eigenen, passenden Weg

Ich kenne eine Mutter, die ihre Kinder bis sechs Jahre alleine zu Hause betreut hat. Ich finde sie toll und ihren Weg und ihre Kinder sowieso. Warum auch nicht? Ich kann mich sehr wohl für andere freuen und ihren Lebensweg cool finden. Ich hoffe, dass die Menschen offener gegenüber den verschiedenen Familienmodellen werden, denn jedes hat seine Berechtigung.
Vollzeit-Arbeit und Kinder – Was bedeutet das? Im Grunde nichts besonders. Ich liebe meine Kinder, auch wenn sie manchmal anstrengend sind und ihre Phasen haben. Wenn sie mir auf der Nase herumtanzen oder rumtrödeln, obwohl ich es eilig habe. Manchmal ist mir alles zu viel und oft bin ich müde. Also im Grunde ist es genauso wie bei allen Eltern.
Viele Grüße
Nadine

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